Ein Projekt von Felix Scheinberger und der Zeitschrift für Literatur und Illustration Belletristik
Neue Wege im deutsch-israelischen Austausch
Der bisherige deutsch-israelische Austausch umspannt die vielfältigsten Bereiche, doch einen Austausch zwischen jungen Autoren, Musikern und Illustratoren gab es bislang noch nicht.
Mit unserem Projekt ALLTAG haben wir die Chance genutzt, einen Dialog auf dieser Ebene zu beginnen.
Der künstlerische Ausdruck als Teil des Alltags
Den Eindruck, den wir in Deutschland vom israelischen Alltag bekommen, ist größtenteils geprägt von täglich verfügbaren Informationen, die uns medial gefiltert übermittelt werden. Was einem hier begegnet, ist jedoch naturgemäß ein Zerrbild.
Doch erst im Alltag manifestiert sich das Einzigartige des Menschen im Zusammenspiel mit seiner Kultur. Eine künstlerische Auseinandersetzung mit diesem Thema bietet einen weitläufigen Interpretationsrahmen, die daraus entstandenen Texte, lllustrationen und Kompositionen machen unser Projekt schon jetzt zu einem großen und wertvollen künstlerischen Erfolg.
Durch ALLTAG möchten wir dieses Bild, das wir in Deutschland vom israelischen Alltag haben, korrigieren, und gleichzeitig Impressionen vom Alltag in Deutschland vermitteln. Unter der Freiheit des künstlerischen Ausdrucks suchen wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede. In erster Linie arbeitet der Dialog daran, Einblicke zu verschaffen und Vorurteile abzubauen.
Perspektiven eines zukunftsorientierten Dialogs
Das Projekt ALLTAG hat natürlich auch eine politische Dimension: Im Bewusstsein der Vergangenheit konzentriert sich unser künstlerischer Austausch jedoch insbesondere auf die Perspektiven eines zukunftsorientierten Dialogs. Gerade in der neuen Generation junger Künstler ist die Möglichkeit gegeben, neue Beziehungen zwischen Deutschland und Israel zu etablieren.
Ein Dialog auf gleicher Augenhöhe
Es wurden zunächst Texte von jungen deutschsprachigen Autoren an die israelischen Illustratoren weitergegeben. Illustratorische Antwort und Deutung finden wie die Texte selbst vor dem Hintergrund der jeweils anderen Seite eines individuellen (künstlerischen) Alltagsempfindens statt. So vollzieht sich ein Dialog in beide Richtungen: Ebenso schreibt eine Auswahl an Autoren Texte zu israelischen Alltagsimpressionen, die sich in den Zeichnungen der jungen israelischen Künstler widerspiegeln.
Die an dieser Ausgabe beteiligten Autoren gehören zur jungen Garde von Autoren, die derzeit für großes Aufsehen in der deutschsprachigen Literaturlandschaft sorgt. Ab November 2009 erweitert sich der Austausch nun auf den Bereich der Musik. Als Rahmen und Auftaktveranstaltung kann das Festival Zeitkunst gesehen werden, bei dem israelische und israelisch-stämmige Musiker beteiligt sind – der Länderschwerpunkt dieses ersten Festivals ist Israel.
Eine Sonderausgabe der „Belletristik“ zur Einbeziehung der Öffentlichkeit in den Dialog
Als Resümée der ersten Runde des Projektes erschien im März 2009 eine Sonderausgabe des Magazins Belletristik. Zeitschrift für Literatur und Illustration.
Das Lesen der Texte und die Auseinandersetzung mit den Illustrationen sollen nicht zuletzt auch die Leserinnen und Leser in Deutschland in den Dialog mit einbeziehen: Sie sollen v. a. einen Einblick in den Alltag und die Alltagserfahrung der jungen Künstler vermitteln und das Interesse junger Menschen an den Lebensverhältnissen im anderen, faszinierenden und doch manchmal so fremden Land wecken.
Zum Festival Zeitkunst wird ebenfalls eine Sonderausgabe der Belletristik erscheinen.
ALLTAG wird fortgesetzt …
Das Interesse an unserem Austausch in Israel, besonders in Jerusalem, war überwältigend. Die Veranstaltungen, bei denen die Texte dem Publikum in deutscher Sprache vorgestellt wurden, waren ein riesiger Erfolg, die Texte und die deutsche Sprache wurden mit großer Resonanz aufgenommen.
Gerade das Interesse am Zusammenspiel von deutschsprachiger Gegenwartsliteratur und israelischer Illustration bestärkt uns darin, ALLTAG. Den deutsch-israelischen Dialog der Künste, fortzusetzen, um ihn auch in Zukunft in den Alltag beider Seiten zu integrieren.
Es soll sich in den nächsten Jahren als deutsch-israelischer Austausch etablieren, damit der künstlerische Dialog zwischen den beiden Ländern in Zukunft Teil eines gegenseitig positiv gestalteten Alltags wird. Gerade die Begegnung junger Künstler birgt das Potential der nachhaltigen positiven Verbindung.
Erweiterung des Autorenkreises um israelische Autoren – ein zweisprachiges Buch
Bei der Fortsetzung des Projekts werden wir uns dem Thema Märchen als Dimension des kulturellen Alltags widmen. Wir werden erneut israelische Illustratoren und deutsche Autoren zusammenführen, dieses Mal werden wir aber auch israelische Autoren in den Dialog mit einbeziehen. Es wird ein Buch entstehen, das Märchen neu erzählt – Autoren werden die Märchen mit ihrem Schreiben ins 21. Jahrhundert übertragen, Illustratoren werden diese neuen Märchen auf dem Hintergrund ihres Alltags illustrieren. Dieses Buch wird dann folgerichtig auch zweisprachig sein: deutsch und hebräisch.
Lesungen, und Unterrichten in Israel
Die Herausgeber der Belletristik und Felix Scheinberger werden im Herbst 2009 wieder nach Jerusalem reisen, um an der Bezalel Academy of Arts and Design das Austausch-Projekt zu betreuen, zu unterrichten, Lesungen und Ausstellungen zu organisieren, und am geplanten Buch zu arbeiten.
Während der Fokus im ersten Jahr auf Jerusalem lag, werden bei der Fortsetzung von ALLTAG Veranstaltungen in ganz Israel organisiert.
Konzert-Lesungen in Israel, das Festival Zeitkunst
Noch stärker als zu Beginn des Projekts wird bei der Fortsetzung die Musik als dritte Kunst in den Dialog mit einbezogen. Bereits beim Festival Zeitkunst, das im November 2009 in Berlin stattfinden wird, werden deutsche Autoren und Musiker gemeinsam mit israelischen und israelisch-stämmigen Musikern arbeiten und an den zwei Tagen des Festivals nicht nur die Beziehung zwischen Kammermusik und Gegenwartsliteratur sondern auch zwischen Deutschland und Israel ausloten.
Der musikalische Schwerpunkt liegt im ersten Jahr des Festivals auf israelischen und jüdischen Komponisten, die teilnehmenden Autoren schreiben Texte, inspiriert von dieser Musik. Das Festival steht unter der Schirmherrschaft des Berliner Staatssekretärs für Kultur André Schmitz.
Wir werden mit den Musikern und Literaten, die am Festival teilnehmen, auch in Israel Konzerte geben und so den Dialog zwischen deutschen und israelischen Künstlern und Kulturen aus einer weiteren besonderen Perspektive beleuchten.











